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Tristan und Isolde als Kammeroper – wie lässt sich dieser scheinbare Gegensatz vereinbaren? Was zunächst, vor allem mit Blick auf die von Wagner geschaffene große romantische Oper befremdlich wirken mag, wurde vom Schweizer Komponisten Frank Martin Anfang des 20. Jahrhunderts realisiert. Und zwar mit Erfolg. Das nach dem Hauptwerk „Tristan et Iseut“ des französischen Schriftstellers Joseph Bédier komponierte Werk verhalf Martin damals zu internationalem Ansehen. Allerdings setzte es sich später nicht durch und gehört auch heute nicht zum Standard-Repertoire der Opernhäuser.

Doch da die Junge Deutsche Philharmonie großen Wert auf die Au!ührung selten gespielter Literatur legt, ist dieses außergewöhnliche Werk für unser Orchester durchaus reizvoll. So werden einige unserer Musiker – das von der Partitur verlangte Instrumentarium umfasst sieben Streichinstrumente und ein Klavier – die Kammeroper im September zur Aufführung bringen. Kostümiert werden die Musiker im Zentrum der Bühne auftreten und dazu beitragen, das Drama dem Zuschauer so nahezubringen, wie es wohl kaum eine andere Inszenierung schafft.

Aber nicht nur in der Einzigartigkeit des Projekts liegt die Bedeutung für unsere Musiker. Die Arbeit an einer Oper liefert generell entscheidende Erfahrungen. Opernpraxis sollte für die Ausbildung von Musikstudenten essentiell sein, denn schließlich wird ein Großteil seinen zukünftigen Arbeitsplatz nicht auf der Konzertbühne, sondern in einem Orchestergraben finden. Den komplexen Anforderungen einer Opernproduktion sind jedoch die meisten Hochschulen nicht gewachsen und so herrscht ein breites Ausbildungsdefizit, welches auszugleichen in Zukunft Teil der Arbeit der Jungen Deutschen Philharmonie sein könnte.
Veranstalter der Neuinszenierung der Kammeroper mit dem Titel Le vin herbé – zu deutsch Der Zaubertrank– ist die Ruhrtriennale 2007, ein spartenübergreifendes Festival für Musik, Theater, Literatur und Tanz, das eines der europaweit bedeutendsten seiner Art ist. In diesem Jahr wird der programmatische Schwerpunkt auf der Zeit zwischen dem Mittelalter und der Moderne liegen.

Musikalisch geleitet wird das auch als weltliches Oratorium bezeichnete Werk vom Opern- und Generalmusikdirektor des Nationaltheaters Mannheim, Friedemann Layer, der nahezu das gesamte geläufige Opern- und Konzertrepertoire beherrscht. Darüber hinaus hat er unzählige weniger bekannte Werke dirigiert und zahlreiche Uraufführungen geleitet. Die Regie übernimmt Willy Decker, der in Zusammenarbeit mit dem für Bühne und Kostüme verantwortlichen Wolfgang Gussmann auf bedeutende Erfolge u. a. an der Wiener Staatsoper, der Semperoper Dresden und bei den Salzburger Festspielen zurückblicken kann. Man darf gespannt sein auf dieses kleine, aber feine Projekt!

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Stephan Schottstädt (Horn)

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