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Wie wird der Alltag eines Orchestermusikers in Zukunft aussehen? Welche Fähigkeiten wird er benötigen? Diese und weitere Fragen beschäftigten Mitglieder, Büro-Team und eingeladene Experten während des Kongresses VISION@JDPH im Juli dieses Jahres.

Die in äußerst konstruktiver Atmosphäre erarbeiteten Antworten galt und gilt es in der Folge in realistische Projekt-Pläne umzusetzen. Denn letztlich sollen Taten zeigen, wie die Junge Deutsche Philharmonie ihren Mitgliedern eine Art der Aus- bzw. Weiterbildung ermöglichen kann, die an vergleichbaren Institutionen und Musikhochschulen bisher nicht selbstverständlich ist.

Dabei ist es unser Ziel, die beim Kongress entstandene, seit den Jahren meiner Mitgliedschaft in dieser Intensität einzigartige motivierte und motivierende Stimmung mit in alle zukünftigen Projekte fließen zu lassen. Das Engagement dieser Tage, der wieder gewonnene Geist der Selbstbestimmung soll lebendig bleiben.

Denn selbst die Initiative zu ergreifen, also „Agieren statt Reagieren“, hieß die Devise der auf dem Kongress anwesenden Musiker. Dieser Wunsch wird zum ersten Mal während der Frühjahrsarbeitsphase 2008 in Form eines Projekt-Tags in die Tat umgesetzt werden.

Es geht darum, Musiker nicht nur als Instrumentalisten zu betrachten, sondern sie gezielt als Künstlerpersönlichkeiten zu fördern. Beim ersten JDPh-Projekttag werden sich verschiedene von Experten betreute Workshop-Gruppen intensiv mit unterschiedlichen Themen rund um das Musiker- und Orchesterleben befassen. So wird z. B. eine Gruppe mit Unterstützung von eingeladenen Dramaturgen eine später eigenständig durchgeführte Konzert-Einführung vorbereiten. Dies soll den Musikern sowohl einen über die durchschnittliche Beschäftigung mit einem Werk weit hinausgehenden Einblick ermöglichen als auch die Fähigkeit schulen, vor Publikum zu sprechen.

Kenntnisse im Erstellen eines Projekt-Konzepts, welches Musikstücke, Dirigent, Solist, Konzertorte sowie Partner und Sponsoren stimmig verbindet, soll durch die programmatische Arbeit mit einem Dirigenten und/oder Komponisten ermöglicht werden.

Einerseits werden solche Erfahrungen den Musikern in über den Orchesterdienst hinausgehenden Tätigkeiten wie dem Auftreten in Kammermusik-Ensembles dienlich sein. Andererseits wird auch der Konzertbesucher davon profitieren, wenn sowohl romantische Repertoire-Werke in neu verstandener Interpretation als auch zeitgenössische Musik mit tief greifendem Verständnis musiziert werden. Eine weitere Workshop-Gruppe wird sich mit Selbstmanagement bzw. der eigenen Vermarktung bei freischaffender Tätigkeit beschäftigen. Was sich bisher autodidaktisch angeeignet werden musste, soll der Projekttag professionell vermitteln und den Musikern auf diese Weise helfen, sich in wirtschaftlichen und medialen Bereichen – wie der Eigenwerbung, dem Verhandeln mit Veranstaltern und Agenturen oder dem Erstellen einer Homepage – zu orientieren.

Erfahrungen, die nicht nur das Künstlerische oder Organisatorische betreffen, sondern ein ganz persönliches Verständnis im Umgang mit Kindern und Jugendlichen vermitteln, sollen durch Education-Projekte gesammelt werden. Angedacht sind eine konzeptionelle Vorbereitung mit Pädagogen während des Projekt-Tags und eine anschließende Zusammenarbeit mit Schülern, um das Konzert-Erlebnis für diese so interessant und nachhaltig wie möglich zu gestalten.

Was die Junge Deutsche Philharmonie sich seit ihrer Gründung auf die Fahnen geschrieben hat, gewinnt heute in der gesamten Kulturlandschaft an Gewicht: Eigeninitiative und Mitbestimmung der Künstler. Die Erkenntnis, dass eine Mündigkeit und Motivation maßgeblich auch von den individuellen Kenntnissen und Kompetenzen abhängt, ist der Startpunkt einer neuen Zeit, in der die Vermittlung dieser Fähigkeiten gleichberechtigt neben der musikalischen Ausbildung steht und den Musiker so tatsächlich umfassend fordert und fördert!

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Stephan Schottstädt
(Horn, Vorstand der JDPh)

 

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