Musikerverlosung SimonKluth BannerN 

In der Diskussion über sogenannte E-Musik (ernste Musik) und U-Musik (Unterhaltungsmusik) versucht man, beide Kategorien voneinander abzugrenzen, um dann anschließend sagen zu können, welche Musik den höheren Wert hat. Dass Musik, falls sie etwas ist, dem man einen „Wert“ geben kann, darauf pfeift, was die Menschen über sie denken oder urteilen, wird in dieser Diskussion gerne verdrängt. Der Sinn dieser ganzen Prozedur ist daher nicht leicht, wenn nicht gar unmöglich zu erklären. Das Problem zeigt sich aber dann in dem Ergebnis, dass sich Lagerbilden, bzw. bilden können, und die eine Partei für die andere nicht viel mehr als Geringschätzung und Unverständnis aufbringt.
Daher ist es umso wichtiger, diese Pseudogrenzen, die ohnehin schon sehr verschwommen sind, zu überschreiten oder vielleicht sogar end gültig aufzuheben. Es gilt, das in den Vordergrund zu stellen, worum es eigentlich in der Musik geht: nämlich den Menschen. Das klingt jetzt vielleicht sehr hochgestochen, ist aber wahr. Denn ich als aufführender Musiker weiß, dass es wenig schönere Momente im Leben gibt, als zu beobachten, dass die Zuhörer Freude an der Musik haben. Und es ihnen in welcher Weise auch immer besser geht, wenn eine Kommunikation stattgefunden hat und sie sich austauschen konnten.
Grenzen zu überschreiten und mit den Menschen zu kommunizieren ist seit jeher der Grundgedanke der Jungen Deutschen Philharmonie; mit der Musikerverlosung über das Onlinenetzwerk „Facebook“ etwa können Menschen aus verschiedensten Kreisen mit Mitgliedern des Orchesters in Kontakt treten. Seit April wurde hier Monat für Monat ein Musiker für einen Tag verlost. Jeder konnte sich bewerben und hatte gute Chancen auf den Gewinn, solange die Begründung nur originell, sinnvoll, interessant oder lustig war und somit die Neugierde aller geweckt hatte. Die Facebook-Fans der Jungen Deutschen Philharmonie erfuhren nebenbei interessante Details aus so einem Musikerleben: besondere Vorlieben wie Häkeln, Dessous-Entwürfe, Elefanten jeglicher Art oder Motorradtouren traten zutage. Die Ergebnisse späterer Verlosungen waren z.B. ein produktives Treffen einer Jugend-Theatergruppe mit unserem Cellisten Ruben oder auch ein unvorhergesehenes Treffen in London.
Das Ergebnis meiner Verlosung war ein Konzert der etwas anderen Art mit Gewinnerin Nina. Sie hatte die Idee, in Form eines Duetts und mit Unterstützung einer Karaokemaschine Songs der Glamrockband KISS aufzuführen. Selbstverständlich im authentischen Outfit, heißt: geschminkt und glamourös. Ein KISS-Cover-Duo mit Nina am Mikro und mir an der Geige. Genial! Konzertort war eine Karaokebar in Frankfurt am Main. Nach einem kurzen Soundcheck ging es auch schon Backstage in die Maske, in der ich mein Rockstar Outfit anlegen durfte und von Nina geschminkt wurde. Mit viel Liebe zum Detail verwandelte sie uns beide in the Starchild und the Demon. 
Der Traum, einmal als Rockstar vor kreischenden Mädels aufzutreten, sollte an diesem Abend endlich in Erfüllung gehen. Die Menge tobte, als wir die Bühne betraten, und so heizten wir ihr mit I was made for loving you ein, dem wahrscheinlich größten Werk von KISS. Tosender Applaus und standing Ovations gab es nach der Performance. Schließlich schnappten sich unsere Fans nach unserem Auftritt selbst das Mikro, um ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Spätestens als alle Anwesenden ihren persönlichen, schon fast vergessenen Lieblingssong der Jugend wiedergefunden und leidenschaftlich performt hatten, wurden auch die letzten Zweifel und Hemmungen abgelegt, und man sang zusammen aus vollem Halse bis in die frühen Morgenstunden.
Man kann wohl sagen, dass „Klassik meets Rock“ in diesem Fall sehr fruchtbar war. Als Rockstar habe ich mich ganz gut geschlagen, denke ich.
Jedenfalls haben das die Mädels gesagt!
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Simon Kluth / Violine

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