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Am 5. September 2014 spielt die Junge Deutsche Philharmonie zum Auftakt der Jungen Klassik EPOCHE MIT ZUKUNFT unter der Leitung von Sir Neville Marriner das Eröffnungskonzert des Zermatt Festivals. Eingeladen wurde das Orchester vom Scharoun Ensemble Berlin, das sich aus Mitgliedern der Berliner Philharmoniker zusammensetzt und schon seit Gründung des Festivals im Jahre 2005 dieses mitgestaltet.
Peter Riegelbauer, Kontrabassist beim Scharoun Ensemble und ehemaliges Mitglied der Jungen Deutschen Philharmonie, erzählt, wie es zu der Einladung kam, was das Zermatt Festival ausmacht und wie Programme zu seiner Zeit bei der Jungen Deutschen Philharmonie gestaltet wurden.

Herr Riegelbauer, als Mitglied des Scharoun Ensembles setzen Sie jährlich die Idee des Zermatt Festivals um, an die Tradition von Pablo Casals anzuknüpfen, der dort jeden Sommer Meisterkurse für junge Musikerinnen und Musiker gab. In diesem Jahr haben Sie die Junge Deutsche Philharmonie eingeladen, warum?

— Zum einen schätzen wir das hohe künstlerische Niveau der Jungen Deutschen Philharmonie. Zuletzt habe ich sie beim Felix- Mendelssohn-Bartholdy-Hochschulwettbewerb in Berlin gehört. Zu diesem Zeitpunkt war schon entschieden, dass die Junge Deutsche Philharmonie beim Zermatt Festival zu Gast sein wird, doch mir wurde ein weiteres Mal bestätigt, wie gut die künstlerische Qualität
dieses Orchesters ist. Zum anderen spielte auch meine alte persönliche Verbundenheit zur Jungen Deutschen Philharmonie eine Rolle. Wir freuen uns in jedem Fall, das Orchester in diesem Jahr in Zermatt begrüßen zu dürfen. Es wird das Festival schmücken.

Die Teilnahme von jungen Musikerinnen und Musikern am Zermatt Festival hat Tradition. Wie hat das Scharoun Ensemble diese geprägt, und wie führt es sie weiter?

— Bei der Gründung des Festivals kam die Idee auf, ein Kammerorchester dazuzuholen, welches das Festival als Orchester
mitbestreitet. Aus dieser Idee entstand dann eine Kammermusik-Akademie mit jungen Musikerinnen und Musikern, die das Festival- Orchester bilden. Aus der anfänglichen Idee hat sich mittlerweile eine Tradition entwickelt, die sowohl auf Seiten der Akademistinnen und Akademisten als auch auf Seiten der Dozierenden sehr geschätzt wird und höchstes Niveau erreicht hat. Die Junge Deutsche Philharmonie entspricht mit ihrer Struktur dieser Idee und wird ein Teil dieser Tradition.

Die Atmosphäre in Zermatt ist eine ganz besondere. Wie wirkt sich diese auf den Probenprozess aus?


— Zermatt liegt abgelegen und ist nicht mit dem Auto zu erreichen. Die Atmosphäre hat definitiv eine große Wirkung auf die Proben- arbeit. Man zieht sich komplett zurück und entschwindet in eine völlig andere Welt. Die Konzentration liegt vollständig auf der Musik und der gemeinsamen Arbeit, und die Schönheit der Natur um einen herum begeistert und ins- piriert. Es gibt keinerlei Fluchtmöglichkeit, was eine gewisse Anstrengung mit sich bringen kann. Doch am Ende steht ein großer Gewinn für alle Beteiligten. In der Pfarrkirche in Zermatt, in der das Konzert stattfinden wird, herrscht ebenfalls eine ganz eigene Atmosphäre und wunderbare Akustik.

Welche Rolle hat das Programm für die Einladung gespielt?


— Bei der Auswahl des Programms für das Festival sind wir in keiner Weise festgelegt. Wir wählen bewusst weder ein Motto, noch haben wir Überbegriffe für die Gestaltung des Programms. Die Entscheidung lag damit ganz bei der Jungen Deutschen Philharmonie, beziehungsweise bei Ihrem Programmausschuss, der alle Programme erarbeitet.
Das Projekt der Jungen Deutschen Philharmonie trägt den Titel EPOCHE MIT ZUKUNFT und spannt den zeitlichen Bogen von Haydn bis Schnittke. Wie gestalteten sich zu Ihrer Zeit die Programme bei der Jungen Deutschen Philharmonie?

— Den Programmausschuss des Orchesters gab es auch schon zu meiner Zeit, und die Programme wurden ganz im Sinne der Basisdemokratie gemeinschaftlich beschlossen. Schon damals waren diese eine Mischung aus Kernrepertoire und eher ungewöhnlichen Werken. So spielten wir beispielsweise die 7. Sinfonie von Gustav Mahler, Brahms’ Klavierquartett g-Moll oder den gesamten Webern-Zyklus. Die Programme der Jungen Deutschen Philharmonie sind heute aber noch facettenreicher als zu frü- heren Zeiten. Uns war es damals wichtig, Werke in unser Programm aufzunehmen, welche weniger im Fokus aller Orchester lagen. Dieser Tradition ist die Junge Deutsche Philharmonie treu geblieben.

Die Junge Deutsche Philharmonie arbeitet bei ihren Projekten in der Regel mit renommierten Solistinnen und Solisten zusammen. Bei EPOCHE MIT ZUKUNFT werden wie schon bei der Jungen Klassik 2012 Musikerinnen und Musiker aus den Reihen des Orchesters die Soloparts übernehmen. Gab es das bereits zu Ihrer Zeit?

— Bei uns gab es so etwas noch nicht, aber ich denke, dass es in jedem Fall eine attraktive Möglichkeit für die jungen Musikerinnen und Musiker ist. Zudem passt es zum Profil der Jungen Deutschen Philharmonie. Wichtig ist es aber auch, die Mischung beizubehalten, da renommierte Solistinnen und Solisten die Attraktivität des Orchesters steigern.

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Anna Schuppe
Marketing und Öffentlichkeitsarbeit / Education

Peter Riegelbauer wurde in Mittelfranken geboren. Sein Studium absolvierte er bei Georg Hörtnagel in Nürnberg und Rainer Zepperitz in Berlin. In den Jahren 1980 und 1981 war er Mitglied der Jungen Deutschen Philharmonie. Nachdem Peter Riegelbauer zuvor bereits
als Stipendiat der Orchester-Akademie in den Reihen der Berliner Philharmoniker musiziert hatte, wurde er 1981 Mitglied dieses Orchesters. 1983 gründete er mit sieben Kollegen das Scharoun Ensemble.

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