
MI 30.09.2026, 20.00 UHR I BERLIN, PHILHARMONIE
PROGRAMM
Sebastian Fagerlund
Helena's Song für Violine und Orchester
Joseph Haydn
Symphonie Nr. 99 Es-Dur
Sergej Prokofjew
Symphonie Nr. 6 Es-Moll op. 111
Junge Deutsche Philharmonie
John Storgårds, Leitung und Violine
Beim Auftakt zu unserer Zusammenarbeit mit John Storgårds steht unser neuer Erster Dirigent und Künstlerischer Berater nicht nur am Pult, sondern leitet in einem Violinkonzert das Orchester auch als Solist. Soweit die klassische Rolle des Dirigenten am Pult entfällt, fordert dies vom Ensemble eine andere Art von musikalischer Kommunikation und Sensibilität – eine Bereicherung für alle Mitwirkenden.
Der Titel „Aufbruch“ verweist mehrdeutig sowohl auf eine destruktive als auch auf eine regenerative, zukunftsweisende Kraft: Neben dem Violinkonzert von Sebastian Fagerlund zu einem familiären Bruch steht Haydns Aufbruch nach London sowie ein von Prokofjews künstlerisch gestalteter Zusammenbruch.
Helena’s Song von Sebastian Fagerlund wurde 2023 in Helsinki von Storgårds und dem Finnischen Radio-Sinfonieorchester uraufgeführt und enthält Material aus Fagerlunds Oper Höstsonaten (Herbstsonate). Diese basiert auf Ingmar Bergmans gleichnamigen Film, der eine komplizierte Mutter-Tochter-Konstellation, gipfelnd in einem möglicherweise endgültigen Bruch, schildert.
Joseph Haydns Sinfonie Nr. 99 in Es-Dur, eine der zwölf berühmten Londoner Sinfonien, wurde 1793 in Wien oder Eisenstadt komponiert und Anfang des folgenden Jahres in der englischen Hauptstadt uraufgeführt. Vom Londoner Publikum bereits mit großer Begeisterung aufgenommen, hat die Sinfonie, in der Haydn erstmals Klarinetten besetzte, als Meisterwerk der Wiener Klassik bis heute einen festen Platz im Repertoire behaupten können.
Dieser formalen Klarheit und einprägsamen melodischen Leichtigkeit steht die düster-introvertierte Sinfonie Nr. 6 in es-Moll Opus 111 von Sergej Prokofjew gegenüber. Sie steht im Zeichen der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und ihrer pathetischen Vorgängerin Sinfonie Nr. 5 unversöhnlich gegenüber – gewidmet ist sie den unzähligen Opfern des „Großen Vaterländischen Krieges“. Der zunehmend selbst von Krankheit und psychischen Strapazen gezeichnete Komponist legte darin mittels einer erratisch-zynischen Klangästhetik ein emotionales, von der damaligen Kulturpolitik unabhängiges musikalisches Zeugnis ab, ehe ihm kurz darauf ein brandmarkender Beschluss der KPdSU endgültig den künstlerischen Willen brach.
Jascha Krams, Programmausschuss
Gefördert von:

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